Keylam und der goldene Kristall

Was ist nur im Tallingtal los? Die Erde bebt, die Lebelias sind von einer geheimnisvollen Krankheit befallen und der Schatz der Elfen verschwindet. Sogar die Wrasener und friedliebenden Fulgur sind betroffen. Keylam versucht ihnen zu helfen,

 

dann wird Saomi entführt …

 

 

Keylams drittes und vorerst letztes Abenteuer im Tal der Tallinge nimmt seinen Lauf.


Leseprobe


 

 

Kapitel 1

Eine verhängnisvolle Nacht

 

 

Lavanda, die Elfe, schreckte aus dem Schlaf hoch und setzte sich kerzengerade in ihrem Moosbett auf. Ein Grummeln, ähnlich einem in der Ferne tosenden Gewitter, hatte sie geweckt. Lavanda sprang auf, streifte hastig ihr Kleid aus Blütenblättern über und rannte zum Fenster ihres Elfenheimes. Die Elfe zog an einem Seil. Ein Blütenblatt rollte nach oben, gab den Blick aus dem Fenster frei und ließ die kühle Frische der Sommernacht ins Haus. Hoch am Himmel, umgeben von unzähligen Sternen, prangte die Sichel des Mondes. Lavanda sog die Luft hörbar durch die Nase ein. Sie roch die Blüten und Pflanzen der Elfeninsel und das Salz des Meeres, dessen Wellen sanft gegen die Klippen schlugen. Zwei Möwen riefen sich kreischend die Neuigkeiten der Nacht zu.

 

„Kein Gewitter weit und breit, kein Wölkchen am Himmel - alles ruhig“, flüsterte Lavanda, wandte sich vom Fenster ab, um zurück in ihr Bett unter die warmen Blütenblätter zu schlüpfen. Plötzlich erzitterten die Wände ihres Heimes. Kaum hatte Lavanda es bemerkt, war es wieder vorbei. Die Elfe fragte sich, ob sie es sich nur eingebildet hatte, da spürte sie es erneut. Diesmal vibrierte der ganze Elfenberg. Die Seilbrücken, die die Elfenhäuser miteinander verbanden, schaukelten hin und her.

 

Lavanda entdeckte Türen, die geöffnet, oder Rollos, die aufgerollt wurden. Verschlafene Elfen lugten daraus hervor und sahen sich fragend um.

 

Dann geschah es. Ein markerschütterndes Krachen durchstieß die Stille der Nacht. Der Berg erbebte und ruckte, als wollte er die Elfenhäuser abschütteln. Elfen schrien, hielten sich Halt suchend an den Blüten fest. Gegenstände fielen aus Regalen. Krüge, Tassen und Teller zerbrachen. Die Brücken schlugen wild gegen den Berg. Steine rumpelten den Hang hinunter und durchschlugen so manches Erkerdach. Der Lärm war ohrenbetäubend.

 

 Lavanda hielt das Krachen und Quietschen, das Donnern und Rumpeln nicht mehr aus. Sie stürzte sich aus ihrem Fenster und flog ein Stück in Richtung Meer. Als sie sich wieder ihrer Heimat zuwandte, sah sie ein helles Leuchten hinter dem Elfenberg. Während Lavanda sich noch fragte, was wohl die Ursache dieses Lichtes war, schoss ein grell weißer Kugelblitz in den Nachthimmel empor.

 

Lavanda hielt den Atem an.

 

Die Kugel besaß die Größe eines Heißluftballons und tauchte die gesamte Elfeninsel für einen kurzen Moment in weißes Licht. Dann, von einer Sekunde auf die nächste, verschwand sie. Weder zuckte noch explodierte sie. Das Licht erlosch einfach. 

 

Die Nacht war wieder dunkel und still. Das Beben war verstummt.

 

In der Elfenstadt brach das Chaos los. Aufgeregte Elfen flogen wild durcheinander, riefen nach Freunden, befreiten unter umgestürzten Möbeln Verschüttete, und beruhigten weinende und ängstliche Elfen. Die Wachen der Insel flogen herbei, brüllten Befehle. Viele Tausend Fackeln und Kristalllampen wurden entzündet. Das ganze Elfenvolk war innerhalb von Sekunden auf den Beinen.

 

Lavanda bekam von dem hektischen Treiben nichts mit. Ihre Gedanken kreisten um den Kugelblitz. Sie hatte noch nie einen kugelförmigen Blitz gesehen und erst recht keinen, der vom Boden aufstieg. Ob er die Ursache des Bebens war? Wo kam er überhaupt her? Waren dort noch weitere Blitze? Das musste sie herausfinden! Sie sauste los. Zum Glück dämmerte bereits der Morgen, sodass Lavanda genug sehen konnte, um dicht am Berghang fliegen zu können. Wenige Minuten später erreichte sie die Rückseite des Elfenberges.

Abrupt stoppte die Elfe in der Luft und starrte ungläubig die Zerstörung an. 


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